Motivierte und leistungsfähige Mitarbeitende

Wir helfen mittelständischen Unternehmen ein erfolgreiches Betriebliches Gesundheitsmanagement einzuführen.

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Die Digitalisierung als Belastungsquelle

Gefährdungsbeurteilung Psychischer Belastungen

Die Arbeitswelt wird seit Jahren durch Digitalisierung, Vernetzung und neue Kommunikationsformen geprägt – von E‑Mail und Chat über Kollaborationstools bis hin zu KI‑gestützten Systemen und mobilen Arbeitsformen. Diese Entwicklungen bringen Chancen mit sich, etwa mehr Flexibilität und bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben, führen aber zugleich zu neuen oder verstärkten psychischen Belastungen im Arbeitskontext.

Kopf eines Cyborgs

Spätestens seit der Novellierung des Arbeitsschutzgesetzes ist klar: Psychische Belastungen gehören verbindlich in jede Gefährdungsbeurteilung – inklusive der Belastungen, die durch digitale Arbeit entstehen. Die Frage ist allerdings, wie explizit die Digitalisierung als eigenständige Belastungsquelle in der Praxis tatsächlich erfasst wird.


Rechtlicher und fachlicher Rahmen: Psychische Belastungen im Fokus

Arbeitgeber sind nach § 5 ArbSchG verpflichtet, alle Gefährdungen systematisch zu beurteilen – dazu zählen neben klassischen Einwirkungen wie Lärm oder Gefahrstoffen auch psychische Belastungen. Die Empfehlungen der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) zur Berücksichtigung psychischer Belastung in der Gefährdungsbeurteilung sind hierbei eine zentrale fachliche Referenz.

Das GDA‑Arbeitsprogramm „Psyche“ betont ausdrücklich, dass die digitale Transformation die psychische Belastung bei der Arbeit verändert – etwa über erweiterte zeitliche Erreichbarkeit, kleintaktige DV‑gesteuerte Arbeitsschritte, hohe Kommunikationsintensität und neue Formen agiler Arbeitsorganisation. Damit ist klar: Digitalisierung ist nicht nur Hintergrundrauschen, sondern ein wesentlicher Kontextfaktor für psychische Belastungen, den Betriebe in ihrer Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen müssen.


Digitalisierung als psychische Belastungsquelle: Typische Faktoren

Aus unseren Gefährdungsbeurteilungen und Analysen ergeben sich typische Belastungsfaktoren, die direkt mit digitaler Arbeit verbunden sind: Verdichtung von Arbeit durch Informationsflut und parallele digitale Aufgaben (E‑Mail, Ticketsysteme, Kollaborationstools).

  • Zunahme kognitiver Anforderungen durch komplexe IT‑Systeme und ständige Software‑Updates.
  • Erweiterte zeitliche Erreichbarkeit, insbesondere bei mobiler Arbeit und Homeoffice.
  • Verschwimmende Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben („Entgrenzung“), etwa durch Arbeiten von zuhause und abendliche Kommunikation.
  • Befürchtungen zunehmender Überwachung oder Kontrolle durch digitale Systeme und Monitoring.


Diese Belastungen müssen fachlich eingeordnet und systematisch erhoben werden – idealerweise mit standardisierten, qualitätsgeprüften Verfahren.


Standardisierte Verfahren: Wie explizit ist „Digitalisierung“ bislang?

In der Praxis werden psychische Belastungen häufig über Fragebögen, Interviews und moderierte Workshops erfasst. Dabei lässt sich eine wichtige Unterscheidung treffen:

  1. Verfahren, die Digitalisierung vor allem indirekt erfassen
  2. Verfahren, die Digitalisierung explizit als Belastungsquelle ausweisen


Indirekte Erfassung über Merkmalsbereiche

Viele etablierte Instrumente orientieren sich an den GDA‑Merkmalsbereichen (Arbeitsinhalte, Arbeitsorganisation, Arbeitszeit, soziale Beziehungen, Arbeitsmittel, Arbeitsumgebung.

Digitale Belastungen erscheinen hier typischerweise in den Bereichen:

  • Arbeitsmittel und Arbeitsumgebung (IT‑Systeme, technische Ausstattung, Softwarequalität).
  • Arbeitsorganisation und Unterbrechungen (Kommunikationsdichte, Störungen durch digitale Kanäle).
  • Arbeitszeit und Erreichbarkeit (Erweiterung der Arbeitszeiten durch digitale Verfügbarkeit).


Digitalisierung ist in diesen Fragebögen also durchaus „drin“, aber nicht als eigenständige Kategorie sichtbar – sie verschwindet gewissermaßen in übergeordneten Merkmalen.


GAP‑Modul: Digitalisierung als eigener Belastungsbereich

Eine Ausnahme bildet das im BMBF‑Verbundprojekt „Gesunde Arbeit in Pionierbranchen (GAP)“ entwickelte Kurzfragebogeninstrument zur Ergänzung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen der Arbeit 4.0. Das GAP‑Modul hat zum Ziel, spezifische Belastungen der Arbeit mit neuen Technologien abzubilden und erfasst drei klar umrissene Bereiche:

  • Nutzung von Technologien bei der eigenen Arbeit (digitale Daten, Kommunikationsmittel, Vernetzung, Robotik).
  • Belastungen im Zusammenhang mit neuen Technologien (Informationsdichte, Komplexität, Störungen, Überwachungsbefürchtungen).
  • Bewertung der Arbeit mit neuen Technologien (Erleichterungen, Belastungszuwachs, Gestaltungsspielräume).

Erste Analysen zeigen, dass das GAP‑Modul ein objektives, reliables und valides ergänzendes Instrument ist, um Anforderungen der Arbeit 4.0 in Gefährdungsbeurteilungen psychischer Belastungen abzubilden.
Es wird ausdrücklich empfohlen, das Modul ergänzend zu gängigen Verfahren einzusetzen, um digitalisierungsbezogene Sachverhalte systematisch zu erfassen.


Mein Standpunkt: Digitalisierung gehört als eigener Themenblock in Befragung und Workshops

Aus unserer Sicht reicht es nicht aus, Digitalisierung nur „mitlaufen“ zu lassen, indem man sie indirekt über Arbeitsmittel oder Arbeitszeit erfasst.
Die aktuellen Entwicklungen – von Homeoffice und hybriden Arbeitsmodellen über KI‑Tools bis zu hochdynamischer Kommunikationsarbeit – machen deutlich, dass digital geprägte Arbeitsbedingungen eine eigenständige Quelle psychischer Belastung darstellen.

Deshalb sind wir überzeugt:

  • Digitalisierung sollte in Vorabbefragungen zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen als eigener Themenblock ausgewiesen werden.
  • In Folgeworkshops braucht es explizite Fragen zu digitalen Arbeitsbedingungen, Belastungsschwerpunkten und Gestaltungsoptionen – nicht nur allgemeine Debatten über „Stress“. So werden Belastungen sichtbar, die spezifisch aus digitalisierten Arbeitsprozessen entstehen:
    Informationsflut, technischer Stördruck, ständige Erreichbarkeit, Entgrenzung, neue Formen digitaler Kontrolle – und gleichzeitig auch Ressourcen wie Flexibilität, Selbstorganisation und digital unterstützte Zusammenarbeit.


Praxis: Wie ein Digitalisierungsblock in der Gefährdungsbeurteilung aussehen kann

Ein eigenständiger Digitalisierungsblock kann sich an den Strukturen des GAP‑Moduls und der GDA‑Merkmalsbereiche orientieren und typischerweise folgende Themen abdecken:

  • Nutzung und Vielfalt digitaler Systeme (Anzahl paralleler Anwendungen, Wechsel zwischen Tools).
  • Informationsflut und Unterbrechungen durch digitale Kommunikation.
  • Erreichbarkeit und Grenzen zwischen Arbeits‑ und Privatleben, insbesondere bei mobiler Arbeit.
  • Technische Ausstattung und Systemstabilität (Störungen, Performance, Support).
  • Wahrgenommene Kontrolle und Transparenz bei digitalen Prozessen (Monitoring, Tracking).
  • Bewertung der Arbeit mit neuen Technologien (Erleben von Unterstützung vs. Überforderung).

Diese Inhalte können zunächst über eine anonymisierte Vorabbefragung erhoben werden, um Belastungsschwerpunkte sichtbar zu machen.
In den anschließenden Workshops werden dann konkrete Situationen und Lösungsansätze gemeinsam mit Führungskräften, Beschäftigten und betrieblichen Akteuren erarbeitet – vom Umgang mit Kommunikationsflut über Erreichbarkeitsregeln bis zur Verbesserung der digitalen Arbeitsmittel.


Unsere Rolle: Experten für Gefährdungsbeurteilungen mit Digitalisierungsfokus

Wir begleiten Unternehmen und Hochschulen bei der Planung und Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen psychischer Belastungen – mit einem besonderen Fokus auf die Auswirkungen der Digitalisierung und moderner Arbeitsformen.
Dabei ist uns wichtig, dass Verfahren fachlich fundiert, praktisch umsetzbar und anschlussfähig an bestehende Arbeitsschutzstrukturen sind.

Typische Bausteine unserer Arbeit sind:

  • Konzeption GDA‑konformer Vorabbefragungen, ergänzt um einen klar erkennbaren Digitalisierungsblock.
  • Auswertung der Ergebnisse mit Fokus auf digitalisierungsbezogene Belastungen und Ressourcen.
  • Moderation von Folgeworkshops mit Führungskräften und Beschäftigten, in denen digitale Arbeitsbedingungen systematisch reflektiert und konkrete Maßnahmen entwickelt werden.
  • Unterstützung bei Dokumentation, Maßnahmenplanung und Wirksamkeitskontrolle – so, dass sowohl psychische Belastungen als auch digitale Arbeitsbedingungen nachvollziehbar abgebildet sind.


Wenn Sie Ihre Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen weiterentwickeln und Digitalisierung als eigenständige Belastungsquelle sichtbar machen möchten, unterstützen wir Sie gerne – von der ersten Konzeptskizze über das passende Instrumentarium bis hin zur Umsetzung in Ihrem Betrieb oder Ihrer Hochschule.

Sie planen eine Gefährdungsbeurteilung der Psychische Belastung in Ihrem Unternehmen ?